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Leitbild des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf e.V.


Vorwort

Liebe Schwestern, Vereinsmitglieder, Mitarbeitende und Kooperationspartnerinnen und -partner,

im Jahr 2004 hat der Evangelische Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e.V. anlässlich seines 110-jährigen Bestehens die Inkraftsetzung des vorliegenden Leitbilds nach einem gut dreijährigen Prozess beschlossen. Die ersten vier Jahre - als eine Phase der Erprobung unserer Arbeit mit den Maßstäben des Leitbilds - sind erfolgreich abgeschlossen. Das Leitbild hat sich dabei als tragfähig erwiesen, es hat sich als Leitlinie bewährt und ist im Wirken des Evangelischen Diakonievereins dauerhaft verankert. In der Vergangenheit erprobt, in der Gegenwart etabliert, wird unser Leitbild auch in Zukunft Bestand haben.

Das Leitbild drückt das Selbstverständnis des Evangelischen Diakonievereins aus und ist für die Menschen im Evangelischen Diakonieverein Selbstverpflichtung.

Das Leitbild weist in zwei Richtungen:

Nach innen:
    Die Mitglieder und Mitarbeitenden füllen das Leitbild mit Leben, wenden es in ihrem Arbeitsalltag auf ihre Arbeitsbereiche an und versuchen auf die im Leitbild formulierten Ziele hin zu wachsen.
Und nach außen:
    Das Leitbild wird an Einrichtungen, die in Verbindung mit dem Evangelischen Diakonieverein stehen, an die hilfebedürftigen Menschen und deren Angehörige, an weitere Partner in der Arbeitswelt und an die Menschen im persönlichen Lebensbereich herangetragen.
Der Evangelische Diakonieverein wurde 1894 gegründet. Seine Geschichte und seine Tradition wurzeln in der Frauenbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Wie jede Geschichte ist auch die des Evangelischen Diakonievereins ein Weg, der von der Vollbringung des Auftrags über Fehlschläge, der von Erfolg und Gelingen über Enttäuschungen reicht. Das langjährige und erfolgreiche Bestehen des Diakonievereins zeigt, dass sich der Weg bis hierhin gelohnt hat.


Die Gründungsgeneration - Professor Friedrich Zimmer und Oberin Anna Margaretha van Delden - zielte auf das selbstbestimmte und selbständige Leben von Frauen, auch in der Berufswelt. Als Betätigungsfeld für die Frauen jener Zeit standen ihnen die damals entstehenden städtischen Krankenhäuser vor Augen, in denen es weitgehend an ausgebildetem Pflegepersonal fehlte und in den Städten und Dörfern fehlte es an "sozialen Krankenpflegerinnen" (Anna Margaretha van Delden) für die Gesundheits- und Krankenpflege. Diese "Bedürfnisse der Zeit" (Friedrich Zimmer) griffen sie auf und bildeten in den Diakonieseminaren des Evangelischen Diakonievereins Krankenschwestern und Gemeindeschwestern aus. Damit gaben sie Frauen die Möglichkeit eines beruflichen Lebensinhalts und -unterhalts. Als Angebot eines Rückhalts für diese Frauen wurde 1895 auf Initiative von Anna Margaretha van Delden die Schwesternschaft des Diakonievereins gegründet.

Heute ist der Diakonieverein mit rund 2.100 Schwestern Träger der größten evangelischen Schwesternschaft in Deutschland und seit über 100 Jahren im Gesundheitswesen engagiert:
  • In rund 50 Kliniken, in Alten- und Pflegeeinrichtungen, in der ambulanten Pflege und in Hospizen widmen sich deutschlandweit Diakonieschwestern und Schwestern und Pfleger des Evangelischen Diakonievereins der Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege und der Altenpflege.
  • Die Ausbildung von rund 550 SchülerInnen findet bundesweit in 12 Diakonieseminaren für Gesundheits- und Krankenpflege, in 4 Diakonieseminaren für Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und in der Altenpflegeschule des Evangelischen Diakonievereins statt.
  • Der Evangelische Diakonieverein ist Träger des Diakonischen Bildungszentrums in Berlin und bietet dort umfangreiche Fort- und Weiterbildungen an.
  • Der Evangelische Diakonieverein ist Träger und Mitgesellschafter von Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens und er
  • ist beteiligt am fachspezifischen Diskurs um zeitgemäße Standards in der Pflege und ist Mitglied in Pflegefachverbänden.
Nicht nur in der Pflege tätige Schwestern, Ärztinnen, Hebammen etc. können Mitglied in der Schwesternschaft des Diakonievereins werden, auch Angehörige anderer Berufe, wie z.B. LehrerInnen, SeelsorgerInnen, SozialarbeiterInnen und Verwaltungsangestellte können Mitglied in der Schwesternschaft bzw. im Diakonieverein sein. Zudem gibt es im Diakonieverein den großen und wachsenden "Freundeskreis", der den Diakonieverein und seine Schwesternschaft begleitet und unterstützt.

Für die Vielfalt der Arbeitsgebiete des Evangelischen Diakonievereins und die Unterschiedlichkeit der Menschen im Evangelischen Diakonieverein soll das Leitbild das Gemeinsame und Einigende beschreiben. Gott schenke uns, dass wir unsere Gaben und Fähigkeiten in Gottes Geist und Sinn nutzen; so werden wir unseren Auftrag erfüllen.

"Es sind vielerlei Gaben, aber es ist ein Geist."
(1. Brief des Paulus an die Korinther 12, 4)


Der Vorstand des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf e.V. am 03.03.2008
Ellen Muxfeldt Harald Glass


I. Der Evangelische Diakonieverein

Der Evangelische Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e.V. ist Teil der Kirche. Er gehört dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V. an.

Der Evangelische Diakonieverein bildet das Dach für
  • die Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf e.V.
    Diakonieschwestern bilden eine evangelische Gemeinschaft von Frauen, die Leben und Beruf als Diakonie im Auftrag Jesu Christi versteht1;
  • die Gruppe der Schwestern und Pfleger im Evangelischen Diakonieverein2, die ihren Pflegeberuf in ökumenischer Gemeinschaft mit den Diakonieschwestern ausübt;
  • Frauen und Männer, die durch ihre Mitgliedschaft im Evangelischen Diakonieverein die Erfüllung des Auftrags im Sinne eines "Freundeskreises"2 unterstützen;
  • die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Evangelischen Diakonievereins, die sich in ihren Arbeitsbereichen für die Ziele und den Auftrag des Evangelischen Diakonievereins einsetzen.
Der Evangelische Diakonieverein ist Partner bzw. Gesellschafter diakonischer und sozialer Einrichtungen.


II. Unsere Grundlage

Wir - die Mitglieder des Evangelischen Diakonievereins und die Menschen in der Dienstgemeinschaft des Evangelischen Diakonievereins und seiner Einrichtungen - verstehen den Auftrag Jesu Christi als Begründung für unser diakonisches Handeln. In Jesus Christus hat sich Gott ausnahmslos und unwiderruflich jedem Menschen zugewandt.

Wir nehmen nach dem Vorbild Jesu den einzelnen Menschen wahr und haben zum Ziel, anderen die Liebe Gottes mitzuteilen. Jeder Mensch ist ein einzigartiges, unverwechselbares Geschöpf Gottes und steht in Beziehung zu ihm. Die Würde ist dem Menschen unverlierbar von Gott zugesprochen.


III. Unsere geistliche Ausrichtung

Wir finden im Evangelischen Diakonieverein einen Rahmen für das berufliche, persönliche und spirituelle Leben.

Das bedeutet:
  • Die gemeinsame Zielsetzung schafft einen Raum für die Diskussion über Lebensfragen, Sinn, Glauben und Werte sowie über die Verwirklichung unseres Auftrags am einzelnen Menschen und in der Gesellschaft.
  • Wir bringen uns in die Gemeinschaft des Evangelischen Diakonievereins ein und erhalten durch das gemeinsame Hören auf Gottes Wort Ausrichtung und Kraft für die diakonische Arbeit sowie Hilfe bei der Akzeptanz der Grenzen unseres Tuns.
  • Durch gegenseitige Achtung, Ermutigung und Begleitung erfahren wir Beziehungen und Begegnungen als Lebensqualität.
  • Wir bilden eine Solidargemeinschaft in Kirche und Gesellschaft.


IV. Unsere ethische Ausrichtung

Wir stellen uns dem Auftrag Jesu durch unser berufliches Handeln und durch unser persönliches Verhalten.

Das bedeutet:
  • Wir achten jeden Menschen unabhängig von Biographie, sozialem Umfeld, Religion, Weltanschauung und Fähigkeiten und fördern das Recht auf eigene Entscheidung und Selbständigkeit.
  • Im Spannungsfeld zwischen diakonischer Zielsetzung und ökonomischen Notwendigkeiten treten wir dafür ein, die Würde des Menschen zu wahren.
  • Wir sind uns der Tragweite des biblischen Menschenbildes auch in politischer Hinsicht bewusst und treten für seine gesellschaftliche Verwirklichung ein.
  • Unser Verständnis von Professionalität schließt die Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte ein.


V. Unsere soziale Ausrichtung

Der Evangelische Diakonieverein übernimmt Verantwortung in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens. Wir bringen uns mit unserem diakonischen Selbstverständnis in unsere Partnereinrichtungen ein.

Das bedeutet:
  • Wir setzen uns in unseren verschiedenen Arbeitsbereichen für das Wohl hilfebedürftiger Menschen ein und nehmen sie wahr in ihrer Ganzheit von Körper, Seele und Geist3.
  • Wir fühlen uns für eine Arbeitsatmosphäre verantwortlich, die von Wertschätzung, Rücksicht, offener Kommunikation und Zusammenarbeit über die Grenzen der eigenen Berufsgruppe hinaus geprägt ist.
  • Wir vermitteln Menschen - vor allem in den Pflegeberufen - eine diakonisch geprägte fachliche Aus-, Fort- und Weiterbildung als lebensbegleitende Berufs- und Persönlichkeitsbildung4.
  • Wir bringen uns und die Angebote des Evangelischen Diakonievereins in die jeweilige Mitarbeiterschaft ein.


Wir sind uns bewusst, dass unser Dienst in allen Tätigkeitsbereichen dem diakonischen Charakter unseres Vereins verpflichtet ist und setzen uns für die Ziele des Evangelischen Diakonievereins entsprechend unseren Gaben und persönlichen Verhältnissen ein.
 
"...und der Herr, unser Gott, segne uns und das Werk unserer Hände."
(Psalm 90, 17)


1 Vgl. Präambel der Ordnung der Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf e.V. (2001)
2 Für die Mitgliedschaft in dieser Gruppe gilt die ACK-Klausel (Mitgliedschaft in einer Kirche der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen).
3 Vgl. dazu einen anderen leitbildähnlichen Text des Evangelischen Diakonievereins: "Das Pflege- und Dienstverständnis der Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins".
4 Vgl. dazu einen anderen leitbildähnlichen Text des Evangelischen Diakonievereins: "Das Profil der Diakonieseminare".